10.02.2026
Digitalisierung ohne einen echten Business Case ist nur teure Bewegung

Digitalisierung steht im industriellen Mittelstand ganz oben auf der Agenda. Steigende Kosten, fragile Lieferketten, die wirtschaftliche Lage, zunehmender Wettbewerbsdruck und der rasante Fortschritt bei Automatisierung und KI erhöhen den Handlungsdruck spürbar. Studien zeigen: Die Investitionsbereitschaft ist hoch, Programme und Initiativen gäbe es reichlich, aber der deutsche Mittelstand hinkt hinterher.
Gleichzeitig bleibt der wirtschaftliche Effekt vieler Digitalisierungsprojekte ernüchternd. Die verbreitete Annahme, mehr Technologie führe automatisch zu besseren Ergebnissen, trügt also. Das zentrale Problem liegt selten in der IT – sondern in fehlender wirtschaftlicher Zielklarheit.
Aktivität bedeutet nicht automatisch Wirkung
In vielen Unternehmen gelten Digitalinitiativen als erfolgreich, wenn Projekte termingerecht und im Budget abgeschlossen werden. Der tatsächliche betriebswirtschaftliche Nutzen bleibt dabei oft unklar oder wird gar nicht systematisch gemessen.
Eine viel zitierte Untersuchung von McKinsey & Company zeigt, dass rund 70 % digitaler Transformationen ihre angestrebten Ziele verfehlen, insbesondere mit Blick auf nachhaltige Performance-Verbesserungen.
Auch Gartner kommt in CIO-Studien regelmäßig zu dem Ergebnis, dass viele Digitalprojekte keine klare Verknüpfung zu Business-Outcomes besitzen, sondern primär über technische oder projektbezogene KPIs gesteuert werden.
Das Ergebnis: Projekte werden abgeschlossen, ohne dass sich zentrale Kennzahlen wie Produktivität, Cashflow oder Lieferfähigkeit messbar verbessern.
Digitalisierung ist nicht das Ziel, sondern das Instrument
Wir müssen digitalisieren, sonst verlieren wir den Anschluss“ ist ein gängiges Argument, aber kein betriebswirtschaftliches Ziel. Digitalisierung entfaltet ihren Nutzen nur dann, wenn sie klar auf wirtschaftliche Effekte ausgerichtet ist: etwa kürzere Durchlaufzeiten, geringere Bestände oder höhere Skalierbarkeit.
Gerade im Kontext von KI zeigt sich, wohin fehlende Zielklarheit führt. Laut Gartner erreichen viele KI-Initiativen keine Skalierung über Pilotprojekte hinaus. Hauptgründe sind nicht Datenqualität oder Technologie, sondern fehlende Governance und unklare Entscheidungslogik. Knapp 60% der Organisationen sind schlichtweg nicht „KI-ready“. Auch die State-of-AI-Reports von McKinsey & Company belegen, dass nur ein kleiner Teil der Unternehmen messbare EBIT-Effekte durch KI erzielt.
Digitalisierung sollte nicht als Programm, sondern als wirtschaftliche Priorisierungsentscheidung verstanden werden. Entscheidend ist nicht, wie viele Initiativen laufen, sondern welche davon nachweislich auf Ergebnis, Cashflow oder Wettbewerbsfähigkeit einzahlen.
Studien von Boston Consulting Group zeigen zudem, dass gescheiterte oder wirkungsarme Transformationen langfristige Folgekosten verursachen: gebundene Managementkapazität, sinkende Veränderungsbereitschaft und geringere Erfolgschancen zukünftiger Initiativen.
Digitalisierung ohne Geschäftslogik ist damit nicht neutral. Sie bindet Ressourcen, verzögert Entscheidungen und schwächt die Organisation – oft unbemerkt, aber nachhaltig.
Welche Ihrer aktuellen Digitalinitiativen würden Sie aus rein wirtschaftlichen Gründen sofort neu starten – und welche nicht?


